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Bericht vom FROST 666

Hier ist der Bericht von einer, die auszog, um auf einem Con ein Spiel neben dem Mainstream zu leiten...

Ankunft: 14:00 Uhr. Wetter: dem Namen nach, vom Parkplatz her war ein Umweg nötig, da alle Treppen hoffnungslos vereist waren. Am Eingang der Turnhalle der Orga-Tisch, angemeldete Spielleiter zahlen keinen Eintritt, aber die drittletzte FROST-Tasse sollte mir eine Heisser-Tee-Flatrate garantieren, und der Verzehrbon befreit einem vom lästigen Kleingeld-Suchen.

"Hi, ich biete nacher eine Mage-Einführungsrunde an. Habt ihr die
Tische verteilt oder soll ich mir selbst einen suchen?"
"Im Prinzip letzteres, aber du könntest dich bei Olli[1] melden, dann
kannst du einen richtigen Tabletop-Tisch bekommen."
"Tabletop? Tabletop?!"
"Ich dachte, du wolltest Mage Knight..."
"Nein. Ich habe kein Problem mit Mage Knight Spielern. Wirklich nicht.
Nur mir denen, die 'Knight' nicht richtig schreiben können, weil sie
mir bei Ebay immer die Suchergebnisse zumüllen..."

Schließlich hatte ich einen Tisch gefunden (die 'Bruinnenfurt', alle Tische waren mit Namen aus dem Herrn der Ringe versehen, was beim Veranstalter - Die Runde der Ringgeister e.V.[4] - nicht wirklich unpassen ist), einen Rundenzettel ausgefüllt und aufgehängt.

Wenig Mut machte mir der 7th Sea Zettel, den ich als zweite "Nicht-Mainstream"-Runde identizifierte, und der noch völlig leer war, und ich korrigierte die Anfangszeit noch auf 15:30 Uhr (oder wenn voll). Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Nach einer Begrüßungsrunde durch die Halle (lokale Cons sind ja auch immer eine Gelegenheit, bestimmte nette Nasen mal wieder zu sehen, auch wenn sie Powergamer sind - 'Wir spielen AD&D! Haha, alles 14. Level! *leuchtende Augen*') und dem ersten Tee, heiß, leider kein Earl Grey, aber ein halbwegs passabler Ceylon kehrte ich an meinen Tisch zurück, und tatsächlich saßen da bereits zwei Spieler.

Was hört man nicht alles von Spielern, die man auf einem Con so kriegt. Munchkins seien dabei, Regelfuchser und Heulsusen, all die Zerrbilder, die das Threefold-Model[2] so bietet. Wenn dem wirklich so ist, hatte ich enormes Glück: nach kurzer, nicht als solcher deklarierter Diskussion über den Gruppenvertrag[2] war klar, dass es sich um nette, umgängliche Dramatists handelte, und wir unterhielten uns dann lieber über Engel ("spielen wir seit 5 Wochen - kann es sein, dass du da einen Spielbericht ins Internet gestellt hast? Den habe ich gelesen...")

Die Runde wurde tatsächlich pünktlich voll (ich habe den 7th Sea Spielleiter und seine einzige Spielerin einfach eingesammelt und noch einen Bekannten(?) der beiden ersten überredet - 'Du willst ein neues Rollenspiel kennenlernen?' 'Ja.' 'Was ist besser, als das in einer expliziten Einführungsrunde zu machen? Du kriegst ein gespieltes Awakening mit einem vorgefertigten Charakter, nach dem Spiel eine allgemeine Einführung in das Spiel, und hast hinterher einen fertiggebauten Mage-Charakter zum weiterspielen, wenn gewünscht.' 'OK.').

Meine vier[3] Einführungscharaktere habe ich einfach kurz vorgestellt, in die Mitte des Tischs gelegt und es der Gruppendynamik überlassen, wie sie sie verteilen. Das ging erstaunlich glatt, und hinterher hat sich niemand getraut zuzugeben, dass er mit seiner Wahl unglücklich wäre (vielleicht waren sies auch nicht).

Ich gab ihnen dann etwas Zeit, die Konzepte noch etwas mit Fleisch zu versehen (ich hatte nur Vornamen, kurze Konzeptbeschreibung, fertige Attribute und Abilities mit 1-4 Punkten Luft pro Kategorie festgelegt), und die Spieler haben noch Details ergänzt (Aussehen, Hintergrund, Nachnamen, Alter, ein paar Abilities). Nur einem hat ein Name nicht gefallen, und sogar der weibliche Charakter hat sein Geschlecht behalten, obwohl er von einem Mann gespielt wurde (auch das ist nicht umbedingt üblich). Das ganze dauerte etwa 30 Minuten, und dann konnten wir anfangen zu spielen.

Die ersten drei Stunden waren ein Spielberg, wie Inge sagen würde, aber den Spielern schiens zu gefallen. Zwei der Charaktere gerieten in ein Technokraten-Konstrukt, waehrend die beiden anderen mit einem Marauder umherzogen. Als sie sich abends wieder trafen - (Zeitgleiches: 'Ihr glaubt nicht, was uns passiert ist!" ... "OK, ihr zuerst."), hatten die einen ein Angebot auf ein spannendes Stipendium einer weltweiten, weltverbessernden MIB-aehnlichen Organisation in der Tasche und die anderen wirre Ideen im Kopf.

Das war der Moment, wo ich mir mal wieder einen Tee holen ging (der Schwabe versucht, eine Flatrate auch auszunutzen), und die Spieler einfach ohne mich weiterspielten. Für mich ist das die beste Erfolgsbestätigung, die ich als SL kriegen kann.

Später im Abenteuer trafen sie dann noch auf einen Traditionsmagier (der gespielte NSC), der zunächst davon ausging, mit seinesgleichen zu verkehren, was zum besten "Neulich" der Runde führte:

"Guten Abend. Mein Name ist Paco Luccano, bani Flambeau."
Er blickt in eine schweigende, leicht verwirrte Runde und seufzt
aufgrund dieser Ignoranz.
"Das ist ein Haus des Hermetischen Ordens. Mit wem habe ich das
Vergnügen?"
"Bernhard. Das ist Andreas, Philippe und Krissi."
"Angenehm. Welcher Orden?"
Bernhard: "Ich habe bisher noch keinen Orden bekommen."
Philippe: "Ich habe mal bei einem Schwimmwettbewerb eine Medaille
           gewonnen!"

Ich werde hier jetzt nicht das ganze Abenteuer erzählen (bei Interesse packe ich es mal zusammen und lege es ins Netz), nur noch ein paar Beobachtungen:

Mir persönlich gefällt das sehr gut. Natürlich besteht die Gefahr, dass die Spieler es sich zu leicht machen. Aber an sich wissen sie ja, dass dann der Spielspass leiden würde. Für den Fall, dass sie zu weit gehen, kann ich sie ja immer noch stoppen. In den obigen Beispielen war das jedoch in keinster Weise nötig.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Con-Besuch, auch wenn ich nur zum Leiten und nicht zum Spielen gekommen bin. Schade waren wieder die natürlichen Gegebenheiten des FROST (laute Turnhalle mit schlechter oder zugiger Luft), aber irgendeinen Tod muss man sich ja holen. Eine In-time-Mage-Einführung im Rahmen eines Abenteuers kann großen Spaß machen und ist durchaus zu empfehlen im Rahmen des Charakterbau-Prozesses - danach würde ich allerdings auf jeden Fall eine In-Time-Spielpause von ca. einem Jahr machen, für das die Spieler sich die weitere Entwicklung ihres Magus überlegen.


[1] richtiger Name der Redaktion entfallen
[2] siehe drsrm-Glossar, so es denn hier auftaucht ;-)
[3] wer mitzaehlt, wird feststellen, dass ich von 5 Spielern redete.

[4] http://www.ringgeister.com