Diese Geschichte ist mehr ein persönliches Projekt, aber vielleicht interessiert es ja jemanden. Das Schreiben an ihr macht auf jeden Fall viel Spass, kann ich nur empfehlen (und das Konzept darf auch gerne geklaut werden). Die Geschichte ist auch nicht fertig; ich vermute, dass immer wieder Szenen dazu kommen werde, wenn ich Ideen und Zeit habe, sie zu schreiben.
Die Party
Er war als erster gekommen und stand nun, da schon viele Gäste eingetroffen waren, immer noch unschlüssig herum. Er hatte sich zu einem Becher Wein verholfen, von dem er nur gelegentlich nippte, denn das Getränk war unverdünnt und ziemlich stark. Aber auch ziemlich gut, das musste er zugeben.
Er bemerkte eine Dame, die seinen Blickkontakt suchte. Wie die meisten hier war sie in Gewänder gekleidet, deren Stil ihm völlig unbekannt war, aber wenigstens überragte sie ihn nicht um ein oder zwei Kopfeslängen. Er nickte ihr höflich zu und grüßte sie mit einem angedeuteten Salut. Die Tatsache, dass er noch immer unverheiratet war, lag gewiss nicht an fehlender höfischer Etiquette oder Ritterlichkeit. Es war nur so, dass er keinerlei Anlass verspürte, sein Leben mit einem geistlosen jungen Ding zu teilen. Von der Dame ging jedoch in dieser Hinsicht keine Gefahr aus: Sie zählte bestimmt bald 30 Winter und war gewiss schon verheiratet. Obwohl, bei dieser seltsamen Gesellschaft konnte man nie wissen ...
Sie erwiderte seinen Gruß, kam herüber und sprach ihn sogar an. "Hi, ich bin Rose, und du?"
Er hatte zwar grundsätzlich verstanden, was sie gesagt hatte, aber ihre außerordentlich direkte Art verblüffte ihn doch so sehr, dass er nicht sofort etwas antworten konnte. Sie bemerkte seine Verlegenheit und sprang ein. "Verzeihung Sie, ich vergaß, dass Sie vermutlich eine andere Etiquette gewöhnt sind. Hier herrscht ein allgemein sehr lockerer Umgangston, was wohl daran liegt, dass die meisten Leute auf dieser Party... dieser Festitivät aus dem 20. Jahrhundert stammen. Ihrer Kleidung nach zu urteilen trifft das bei Ihnen nicht ganz zu..."
Sie musterte ihn kurz und fuhr fort: "... Römisches Festgewand, im Stil der Kavallerie - allerdings etwas zu warm für Italien. Gallien? Irgendwann nach Christi Geburt... um 200 herum? Vermutlich liege ich Jahrhunderte daneben. Diese Epoche ist nicht gerade meine Spezialität. Helfen Sie mir."
Er wusste zwar immer noch nicht, was die geziemende Anrede für diese gesprächige Dame war, aber jetzt zu schweigen wäre definitiv unhöflich gewesen. Er versuchte es mit einer Vorstellung und verneigte sich leicht. "Mein Name ist Gaius Valerius Aquila. Ich bin sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen."
Sie lächelte ihn an und sagte: "Mich auch, Gaius Valerius. Wo kommen Sie her?"
Es war leichter, wenn sie die Fragen stellte. "Meine Familie stammt aus Aquae Sulis, doch lebe ich inzwischen in Castle Meady, in den Bergen von Wales."
Sie überlegte kurz. "Wales... das ist England, nicht war? Britannien?"
Er nickte. "Ganz recht, Lady Rose. Seit vier Generationen."
Sie lachte. "Ich bin keine Lady. Sie können einfach Rose sagen. Heutzutage sind die Sitten etwas ungehobelter, aber dafür sehr viel lockerer. Aber ich habe ein gewisses berufliches Interesse an Geschichte, deswegen erlauben Sie mir die Frage: welcher Kaiser regiert in ihrer Zeit?"
Er zögerte kurz und antwortete dann: "Wie die politische Lage in Rom aussieht, ist mir nicht bekannt. Wir hatten schon lange keine Nachrichten mehr vom Kontinent. In Britannien regiert natürlich Seine Majestät, König Artus."
Das schien sie wirklich zu erfreuen. "Ach, dann gab es ihn tatsächlich! Stellen Sie sich vor, wir hatten immer noch keinen Beweis für seine Existenz. Und das mit unseren Möglichkeiten! Wir hätten ja einfach hinreisen und nachsehen können. Aber dafür gab es leider keine Ressourcen."
Die Dame war wirklich von freundlicher Natur. Deswegen wagte er nun einen kleinen Vorstoß. "Verehrte Lady Rose... darf ich mir eine Frage erlauben?"
Sie lächelte. "Nur wenn sie mich Rose nennen."
"Einverstanden. Rose. Was ist das hier? Wer sind all die Leute? Was soll hier gefeiert werden, und warum bin ich hier?"
Sie antwortete: "Das war mehr als eine Frage. Aber ich versuche es mal. Ein paar der Leute da hinten...", sie deutete auf eine Gruppe von Menschen, die einem Artisten zusahen, "behaupten, das hier sei ein 'Realm', eine alternative Realität, in die sie durch irgendeine Kraft hineingeraten wären, die sie 'Paradox' nennen. Ich habe mir noch kein entgültiges Urteil gebildet, aber irgendjemand hat hier Leute aus den verschiedensten Zeitaltern zusammengebracht. Was glauben Sie?"
Gaius dachte nach. "Ich dachte eine Zeit lang, es könnte das Himmelreich sein. Aber keiner hier sieht aus wie ein Engel. Außer ihr vielleicht..."
Sie sahen beide auf ein überirdisch schönes junges Mädchen, das verträumt an der Balustrade stand und gelegentlich vergnügt in die Hände klatschte, wenn dem Artisten ein besonders zauberhaftes Kunststück gelang.
Ein älterer Herr mit wirrem, weißem Haupthaar trat auf sie zu. In der Hand hielt er einen seltsamen, länglich schwarzen Gegenstand, den er auf sie richtete. Rose wirbelte herum, stand auf einmal hinter ihm und hielt ihm etwas an den Kopf, während sie zischte: "Es mag zwar aussehen wie ein Lippenstift, aber ich versichere ihnen, dass es sich um einen Betäuber handelt. Lassen Sie das Ding fallen oder ich schicke Sie in das Reich der Träume."
Der Alte war stocksteif stehen geblieben. "Darf ich... darf ich es auch auf den Boden legen? Es ist nur ein Messgerät, aber ein sehr empfindliches..."
Rose entgegnete: "Geben Sie es mir. Ich werde es schon nicht kaputt machen. Wenn es wirklich harmlos ist, bekommen Sie es auch wieder."
Ohne weitere Widerrede händigte er ihr das Gerät aus. Sie steckte den Lippenstift wieder in die Tasche und trat neben ihn, um es zu untersuchen. "Sorry für das eben. Meine Reflexe. Ich mag es nicht, wenn jemand etwas auf mich richtet, das eine Waffe sein könnte."
Gaius betrachtete die Szene mit fortgeschrittener Irritation. "Eine Waffe? Sie haben geglaubt, das Ding sei eine Waffe?!"
Rose entgegnete: "Weißt du, Gaius Valerius, in späteren Zeiten müssen Waffen nicht mehr schwer sein und eine Spitze haben, um tödlich zu sein. Da hat die Menschheit eine ungeahnte Kreativität entwickelt. Aber das Teil sieht wirklich nicht aus, als wäre es gefährlich. Was ist es?"
Der Alte richtete sich auf und antwortete: "Es ist ein Lindberg-Scanner. Mein Assistent hat ihn gebaut, aber ich habe das Prinzip erfunden. Gestatten: Lindberg. Professor Lindberg vom Hermetischen Orden." Er verneigte sich leicht.
Rose gab ihm sein Gerät zurück. "Ich bitte nochmals um Verzeihung, Professor. Mein Name ist Rose Dumont, und ich ... bin ein wenig nervös. Die Situation ist etwas ungewöhnlich. Haben Sie vielleicht eine Erklärung?"
"Und ob ich die habe.", entgegnete Lindberg im Brustton der Überzeugung. "Es bestätigt alles meine Theorie. Wir erleben gerade den Beweis, und diese Ignoranten wollten mir nicht glauben... aber ich hatte recht. Ich hoffe, dass sie hier noch auftauchen, damit sie diesen Triumph der angewandten Wissenschaft erleben. Ich habe es ihnen ja zu erklären versucht, aber -"
Gaius unterbrach das Geschwätz dieses Quacksalbers. "Dann teilen Sie uns endlich ihre Erkenntnisse mit."
Lindberg musterte ihn interessiert, wie ein Forscher ein unbekanntes Insekt. "Und was sind Sie?"
Gaius konterte mit aristokratischer Arroganz. "Mein Name ist Gaius Secundus Valerius Aquila, Lord von Castle Meady, Ritter des Hohen Königs von Britannien. Die Dame hatte Ihnen eine Frage gestellt und Sie haben sie noch nicht beantwortet."
Leider war Lindberg überhaupt nicht beeindruckt. Stattdessen wirkte er abwesend, während er einen plötzlichen Gedanken verfolgte und murmelte: "Interessant, interessant... es scheint sich also über verschiedenste Zeiten zu erstrecken... oder stammt er vielleicht aus einem anderen Realm..."
Gaius wollte schon den Ton verschärfen, als sie alle ein Rauschen in der Luft hörten und nach oben sahen. In der großen Festhalle kreiste eine geflügelte Gestalt mit beeindruckender Flügelspannweite unter der Decke. Es war ein dunkelhäutiger Junge, vielleicht 14 oder 15 Jahre alt, und er hielt ein flammendes Schwert in der Hand. Manche der Gäste schrieen auf, andere warfen sich zu Boden. Gaius sank auf die Knie. Es war doch das Himmelreich, oder ein Vorraum davon, und dieser gewaltige Streiter war bestimmt gekommen um sie richten. Ein weiterer Engel erschien, hellhäutig, blond, mit weißen Gewändern. Die beiden riefen sich etwas in der Luft zu, das in dem Durcheinander hier unten nicht zu verstehen war.
Dann ertönte ein kräftiger Gong. Auf der Bar stand ein älterer Herr, leicht untersetzt und in grauen Gewändern, der dort mit einem kräftigen Schlag gegen eine Messingvase für Ruhe gesorgt hatte. Er rief nach oben: "Boten des Lichts! Ich bin Prälat Olson. Kommt zu mir."
Die Gäste um ihn herum machten sofort Platz, und die beiden Geflügelten landeten.
Gaius stand verwirrt auf, und kurze Zeit später war der Saal wieder erfüllt von den Gesprächen der so unterschiedlichen Gäste.
Rose fragte Lindberg vorsichtig: "Herr Professor? Darf ich Sie um ihre fachkundige Meinung bitten?"
Er sah sie einen Moment geistesabwesend an und sagte dann: "Aber sicher doch, sicher doch. Worum geht es?"
"Sagen sie mir, wo befinden wir uns momentan?"
Während er antwortete, verfiel Lindberg in die Sprechweise eines Dozenten. "Das ist nicht einfach zu verstehen, aber ich werde versuchen, es zu erklären, und möchte Sie bitten, mich nicht zu unterbrechen sie können zum Abschluss gerne Fragen stellen." Er hatte nun die ungeteilte Aufmerksamkeit der kleinen Gruppe um ihn herum. "Unsere Welt kann nicht für sich alleine bestehen. Sie wird gespeist durch eine Energie, die bisher unserer Erkenntnis verborgen gewesen war. Aber ich habe sie entdeckt, bin ihr auf die Schliche gekommen!" Er kicherte. "Es gibt da eine andere Welt, die unsere Welt stark beeinflusst, ich würde sogar sagen, definiert. Wir sind Teil eines Spiels oder einer Geschichte, die von Leuten in dieser anderen Welt erzählt wird. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem sogenannten 'Storyteller' zu, denn SIE ist es, die oberstes Gebot über unsere Welt und auch alle Spieler innehat."
Rose hob eine Augenbraue. "Sie?"
"Ja, es ist eine Frau."
"Das ist interessant", bemerkte Rose, "denn in den meisten monotheistischen Religionen wird der oberste Gott als eher männlich angesehen."
"Das mag sein", entgegnete der Professor, "aber ich bin mir sehr sicher damit. Ich war nämlich dort, in dieser anderen Welt. Ich habe mit eigenen Augen die Notizen gesehen, die SIE sich für die Geschichte gemacht hat, die wir erlebt hatten. Und auch, wie es weitergehen sollte. Und die anderen Spieler hörten auf SIE. Das heißt, eigentlich diskutierten sie aufs heftigste, aber die letztgültige Entscheidung lag dann doch bei IHR."
Gaius schüttelte den Kopf. "Das klingt alles häretisch, und es erklärt auch immer noch nicht, wo wir hier sind."
"Das stimmt", bestätigte Rose.
Lindberg starrte sie an. "Aber verstehen Sie denn nicht? Wenn wir nur Figuren in einem Spiel sind, in dem eine oberste Spielleiterin frei entscheiden kann, wo und was wir spielen, dann können wir überall sein. Die angeblichen Regeln und Gesetze, die wir aus unseren Welten kennen, gelten nicht oder nur dann, wenn SIE es so will. Und in unserem Fall will SIE es eben, dass wir uns hier begegnen und ..."
Lindberg verstummte, denn in dem Moment verdunkelte sich der Raum, nur ein Lichtkegel blieb bestehen und strahlte auf eine kleine Bühne, die gegenüber der Bar lag. Dort stand eine junge Frau an einem Mikrofon. Sie war einen Kopf größer als Rose, hatte halblange, blonde Haare und eine nur unwesentlich kleinere Nase als Gaius. Als die Gesellschaft verstummt war, räusperte sie sich und erhob dann das Wort.
"Es ist nun an der Zeit, euch auf meiner besonderen Party zu begrüßen. Es freut mich außerordentlich, dass ihr alle gekommen seid na ja, ihr hattet nicht wirklich eine Wahl, aber trotzdem. Da die meisten sich untereinander noch nicht kennen, mache ich kurz die Runde und begrüße die verschiedenen Leute hier. Fangen wir vielleicht mal mit den Magiern an, vermutlich die größte Gruppe. Sie kommen aus dem 20. Jahrhundert: Nils und Dr. Lindberg aus Stuttgart beziehungsweise Ludwigsburg, Dean, unser begnadeter Artist Raoul und Dr. Ritter, Verzeihung, Fresenius Eno Teiresias bani Bonisagus, aus der Gegend von Hamburg. Pater Cornelius und Harry Staedler, jetzt Paul Neumann aus Berlin, und natürlich die New Yorker: Pater Ulysses Malvarik, April, Sylvia, Hether, Packman und Lee. Melissa war leider verhindert. Herzlich Willkommen an euch alle, und denkt dran: Paradox gibt's auch hier, hihi, aber keine Technokraten, Marauder oder Nephandi. Also entspannt euch und viel Spaß."
Applaus brandete auf, und nach einem Moment klatschten ein paar der Anwesenden in die Hände.
"Vielen Dank", tönte es von der Bühne. "Das nächste Mal bitte etwas enthusiastischer! Machen wir weiter mit den wohl weitgereistesten Gästen, sie kommen 'a long time ago' aus einer 'galaxy far, far away' um genau zu wissen, wo das ist, hätte ich vermutlich George Lukas persönlich einladen müssen, aber die Hauptsache ist, sie sind hier: Bel, Rachel, Yago und Zork ich hoffe, ihr amüsiert euch, und falls ihr Sabacc-Karten braucht, fragt einfach an der Bar. Auch euch ein herzliches Willkommen!"
Wieder erklang Applaus, diesmal etwas lauter, auch wenn noch weniger Gäste tatsächlich klatschten. Die Rednerin seufzte, fuhr dann aber fort.
"Nun gut. Kommen wir zu den einzeln Angereisten. Da möchte ich mit Gaius Valerius Aquila beginnen, der aus Britannien des König Artus' gekommen ist, und gerade bei Rose Dumont steht, einer Zeitagentin Rose, du solltest dich später mal mit Judith unterhalten. Ich glaube, ihr habt viel gemeinsam, nicht nur den Nachnamen: sie könnte eine Nachfahrin von dir sein. Und die dritte im Club der kleinen Frauen ist Kim Serafina May-Sherman einen besonderen Applaus bitte, sie ist es gewöhnt!"
Diesmal rauschte die Begrüßung wie eine Welle heran, klang nach einem Stadion gefüllt mit Publikum, und der Lichtkegel strich von der Bühne ein paar Mal durch den Raum, bis er an einer äußerst attraktiven, aber kleinen Frau mit kinnlangem, blauem Haar hängen blieb, die ein professionelles Lächeln aufgesetzt hatte und sich andeutungsweise verbeugte. Dann erlosch der Spot und erschien wieder auf der Bühne.
"Ich hoffe, ich vergesse jetzt niemanden.
Nine, ich wäre dir dankbar, wenn du dich heute nicht in deine natürliche Form verwandelst.
Sonst müsste ich Clarion auf dich ansetzen, und die hat nichts zu verlieren, die ist nämlich schon tot.
Nicholas, wenn du später ein bisschen singen oder spielen würdest, wäre das sehr nett. Elisabeth wenn du einen Gesprächspartner in Bezug auf Pferde suchst, kannst du dich vertrauensvoll an Gaius wenden.
Donkey Schott hat sich vermutlich irgendwo in der Dekoration versteckt, und auch wenn es nicht viel hilft: Donkey, du kannst hier ruhig rauskommen. Es wird dir nichts passieren.
Cleo, auch wenn er klein und grau ist: du lässt die Krallen von ihm.
Meridith, habe leider kein Einhorn für dich auftreiben können, aber ich hoffe, es gefällt dir trotzdem hier.
Auf jeden Fall euch allen viel Spaß hier."
Diesmal beendete die Rednerin den Applaus sehr schnell mit einer Handbewegung. "Ha, jetzt hätte ich beinahe doch jemand vergessen. Gaius ist zwar heute als erstes gekommen, aber an sich hätte diese Ehre jemand anderes gegolten. Es ist mir eine besondere Ehre, ihnen Karana-Siro vorzustellen meine älteste Freundin hier, könnte man sagen." Sie deutete auf eine hochgewachsene Gestalt, die am anderen Ende des Saales stand. Ihre langen, dunkelblauen Gewänder umflossen die elegante Verbeugung wie eine Welle, aus der enganliegende Kapuze schaute kein einziges Haar, aber ihre Stirn war mit einer filigranen, schwarzen Tätowierung geschmückt. Sie starrte mit stechend-blauen Augen zurück auf die Bühne.
"So, nachdem ich jetzt hoffentlich alle vorgestellt habe, sollte ich euch noch sagen, was es mit der Party auf sich hat. Ihr alle seid Hauptpersonen in Geschichten, die ich mir zusammen mit meinen Freunden ausdenke. Das nennt sich Rollenspiel, wir sind die Spieler, und ihr seid sogenannte Charaktere. Ich dachte mir, es wäre doch mal ganz lustig, meine gesamten Charakteren aus den verschiedenen Geschichten ob sie nun im 5. oder 20. Jahrhundert spielen, auf der Erde oder sonst irgendwo zu einem Fest einzuladen. Ich hoffe, ich komme im Laufe des Abends dazu, mich mit allen einmal zu unterhalten. Übrigens: ihr braucht euch keine Sorge wegen einem Kater oder so zu machen. Morgen früh werdet ihr alle wieder in eurer gewohnten Welt sein und nichts wird euch an diesen Abend erinnern. Das würde die Geschichten zu sehr stören. Deswegen: Genießt dieses Fest mit allen Sinnen!"
Beim Schlussapplaus schaute sich Bel genau um. Es klatschte tatsächlich niemand, stattdessen standen alle nach dieser Rede etwas verwirrt herum. Bel holte sich einen grünen Drink von der Bar und trank einen großen Schluck. Danach beschloss es, das beste aus der Sache zu machen und die psychologisch interessanten Reaktionen der anderen Gäste zu studieren. Es ließ seinen Blick über die Feier schweifen, bis er an einer Frau hängen blieb, die sich an den Rand gesetzt hatte und dort trübselig in ein fast leeres Glas blaue Milch starrte. Sie hatte kurze, dunkle Locken und trug eine Bel unbekannte Uniform doch den aufgenähten Phönix erkannte es sofort. Eine Rebellin aus seinem eigenen Universum. Bel organisierte noch ein zweites Glas von dem grünen Gesöff und ging auf Annäherungskurs. "Möchten Sie vielleicht auf etwas anderes umsteigen?"
Bel stellte das Glas neben ihres. Sie sah hoch, und ihre Augen verengten sich, als sie seine graue Uniform registrierten. "Aus welchem dunklen Loch der Geschichte sind Sie denn gekrochen... Commander?"
Bel lächelte entschuldigend, und anstatt Haltung anzunehmen, deutete es eine Verbeugung an. "Dr. Thorne. Medizinisches Korps. Verzeihen Sie die Störung, aber Sie sahen so aus, als hätten wir zumindest etwas gemeinsam im Gegensatz zu den meisten anderen hier. Und als könnten Sie ein wenig Aufmunterung gebrauchen. Darf ich mich setzen?"
Sie lachte trocken. "Warum nicht. Setzen Sie sich nur, setzen Sie sich. Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an. Es ist nie auf irgendetwas angekommen. All die Jahre, all die Kriege, und alles nur ein Spiel. Ha! Dafür haben wir es gewonnen. Irgendwie. Wussten Sie das? Der Imperator ist tot, ebenso wie sein Handlanger Vader, und die Galaxis wird regiert von der Neuen Republik..."
Bel setzte sich und nahm einen Schluck, bevor er antwortete. "Nein, das wäre mir neu. Vielleicht stammen wir doch aus verschiedenen Geschichten, denn da wo ich herkomme, erfreut sich der Imperator bester Gesundheit, ebenso wie Lord Vader, der herumzieht und Angst und Schrecken verbreitet. Aber ich versuche, mich aus der Politik rauszuhalten."
"Mit dem, was wir gerade erfahren haben sicher eine gute Idee. Aber ich konnte mich nicht anders erscheiden. Nicht nachdem das Imperium meine Heimatwelt vernichtet hat. Und jetzt weiß ich, dass es gar nicht das Imperium war. Sondern diese Person."
Bel sah sie interessiert an. "Sie stammen von Alderan?"
Rachel nickte. "Ich war nicht da, als es passierte. So etwas kann man sich sein Leben lang vorwerfen."
"Ich habe auf Alderan studiert und auch promoviert. Als ich davon hörte, war es mir, als hätte man mir einen Teil meines Lebens herausgeschnitten."
Sie hob ihr Glas. "Ich bin Rachel."
"Bel." Sie stießen auf Alderan an, und die Party war auf einmal nur noch halb so schlimm.



